Aspekte zur zweckmäßigen und aktiven Klimagestaltung in Räumen für unterschiedliche Nutzungsanforderungen

Das Thema „Raumklima in Museen“ ist derzeit sehr aktuell, so dass es auch in den nächsten Jahren viel Beachtung finden wird. Hierbei hat vor allem die Verbesserung des Raumklimas Priorität. Insbesondere durch Umwidmung anderweitig nicht nutzbarer denkmalgeschützter Gebäudekomplexe als Museen sind umfangreiche Bauaufgaben und Probleme zu bewältigen. Dabei wird auch die Klimatechnik vor schwierige Aufgaben gestellt.
Museumsfachleuten, Konservatoren, Archivaren und Museumsmitarbeitern sind wertvolle Kunstobjekte in die Obhut gegeben und man erwartet von ihnen, dass die Erbstücke unserer Kultur pfleglich behandelt und schadensverhütend betreut werden. So ist bei Lagerung im Depot, beim Transport, in der Restaurierungswerkstatt und vor allem in der Ausstellung darauf zu achten, von welchen Einflüssen Gefahr für das Objekt droht.
Konservatorische Bemühungen zielen prinzipiell darauf ab, die natürliche Alterung der Objekte zu verzögern. Als wichtige Schadensursachen wurden hierbei ungeeignete raumklimatische Bedingungen sowie unzureichende Reinheit der Raumluft erkannt.
Bei der Festlegung der raumklimatischen Parameter ist auch dem Bedürfnis von Besuchern und Mitarbeitern nach thermischer Behaglichkeit und Hygiene muss man gerecht werden. In Ausstellungsräumen wird immer ein Kompromiss zwischen den am Objekt und an der Ausstellungshülle orientierten konservatorischen Sollwerten und an der menschlichen Behaglichkeit notwendig sein. Die letztlich eingestellten Klimawerte können dabei durchaus von den als optimal angesehenen Lagerungsbestimmungen für die einzelnen Exponat-oder Materialgruppen abweichen. Jeder Werkstoff reagiert anders auf das Raumklima. Dabei stehen Raum- und Außentemperatur, „relative Feuchte“ (siehe dazu „Erfassung von raumklimatischen Parametern“) im Innenraum wie auch außerhalb der architektonischen Hülle und die für jedes Material unterschiedliche Materialfeuchte in einem unauflöslichen Wechselspiel. Deshalb ist ein einheitliches Raumklima für alle Materialien, die in Museen vorkommen, theoretisch nicht zu erwarten. Die Durchführung von kontinuierlichen Langzeitmessungen und Registrierung der relativen Luftfeuchte- und Raumtemperaturwerte mit mobilen Thermohygrographen oder elektronischen Messwerterfassungsgeräten/Datenloggern ist aufschlussreich und unerlässlich. (s. dazu „Messgeräte“)

Ein langfristig qualifiziertes Monitoring des Materialverhaltens ist notwendig, um auf Veränderungen im Umfeld (Nutzung, Besucher, Baumaßnahmen etc.) reagieren zu können.
Moderne Klimatisierungstechniken erlauben eine Abstimmung des Innenklimas auf das jeweilige Außenklima. Werden die jahreszeitlich unterschiedlichen Klimakonditionen der Außenluft berücksichtigt, kommt es zu einer weitgehenden Harmonisierung zwischen Innen-und Außenklima. Eine dichte Gebäudehülle, niedrige Luftwechselraten und eine Reduzierung der inneren Lasten (durch Beleuchtung und UV-Strahlungen etc., s. dazu „Lux- und UV- Messgeräte“ verhindern Kurzzeitschwankungen des Raumklimas!
Insbesondere die Stabilisierung der relativen Luftfeuchte begünstigt dabei eine konstante, im Gleichgewicht dazu stehende Materialfeuchte, wodurch Spannungen im Materialgefüge der Exponate vermieden werden. (s. dazu „Luftbefeuchter“ oder „Luftentfeuchter“). Die Aufgabe besteht darin, für geeignete Feuchte- und Temperaturwerte in den museal genutzten Räumen zu sorgen. Eine Verhinderung von Kurzzeitschwankungen des Raumklimas erhält dabei Vorrang vor der unbedingten Einhaltung absoluter Werte.

„Wie hängen Raumtemperatur und Raumluftfeuchte zusammen“?

Bei unterschiedlichen Temperaturen der Luft können trotz gleicher vorhandener Wassermenge in der Luft ganz verschiedene Werte „relativer Luftfeuchte“ vorkommen. Hat die Luft bei +10°C eine relative Feuchte von 50%, fällt diese durch Erwärmung der Raumluft (z.B.Heizen) von +10°C auf 23°C auf 20% relativer Feuchte ab.

Die relative Feuchte ändert sich proportional zum absoluten Wasserdampfgehalt und umgekehrt proportional zur Temperatur (je mehr Wasserdampf in einem bestimmten Luftvolumen enthalten ist, desto höher ist die rel. Feuchte, und je höher die Temperatur steigt, desto niedriger wird die relative Feuchte). Diese Abhängigkeit erfordert die Kenntnis der Oberflächentemperatur, um die relative Feuchte direkt am Objekt ermitteln zu können. (S.dazu „Erfassung von raumklimatischen Parametern“ und „Messgeräte“).

Für die Aufbewahrung und Ausstellung von Kunstwerken und sonstigen Wertgegenständen aus vorwiegend organischem Material gibt es einen Bereich optimaler relativer Luftfeuchtigkeit, der zwischen ca. 40% und 60% rel. Feuchte liegt.

„Elektrostatischen Aufladungen in Räumen“

Als besonders bewährtes und wirksames Mittel gegen elektrostatische Aufladungen erweist sich die Befeuchtung der Raumluft. Eine Erhöhung der relativen Feuchte auf ca. 50% reduziert die elektrostatische Aufladung um das 2 bis 3-fache, meistens ausreichend, um unliebsame Entladungen und lästiges Staubziehen zu vermeiden. (s. dazu „Luftbefeuchter“)

„Luft-Ionisierung“

ist keine aggressive Ozon-Reizgasproduktion! Luftionisierung ist eine weitere eingesetzte Methode zur Vermeidung von elektrostatischen Aufladungen. Durch Luftionisierung kann die elektrische Leitfähigkeit der Luft erhöht werden. Liefert ein modernes Luftbefeuchtungsgerät mit eingebauter Ionisierung genügend negative Ionen, wird eine elektrostatische Aufladung abgebaut bzw. neutralisiert. Negative Luftionen tragen auch entscheidend zur Verbesserung des Raumklimas bei und üben einen günstigen Einfluss auf Behaglichkeit und auf die Wetterfühligkeit des Menschen aus! (S. dazu „Luftbefeuchter“).

„Grundsätze und allgemeine Anforderungen“

In vielen repräsentativen Gebäuden alter Bauart kann es bei den empfohlenen relativen Feuchten im Winter und Frühjahr zu Kondensationen kommen . Mögliche Folgen sind physikalische Spannungen und Verformungen bei z.B. wandnah aufgehängten Bildern und Objekten bis hin zu Schimmel- und Pilzwachstum sowie Insektenbefall.
Klimaanforderungen gelten nicht für den Mittelwert der Raumluft, sondern müssen direkt am Objekt eingehalten werden. (Wärme)strahlung oder lokale Feuchtequellen können zu einem Mikroklima führen, das vom allgemeinen Raumklima abweicht. Grundsätzlich sollten Klimavorgaben nicht genauer sein, als es die Raumklimakontrolle mit gebräuchlicher Messtechnik zulässt. (S. dazu „Erfassung von raumklimatischen Parametern“ und „Messgeräte Lux/ UV- Feuchte-Infrarot und Temperaturmessgeräte/ Datenlogger“)

Nach neueren Erkenntnissen treten neben den maximalen Schwankungen von relativer Feuchte und Temperatur vor allem deren Änderungsgeschwindigkeiten in den Vordergrung. Die in Tab. B1 aufgeführten Sollwerte sind dabei anzustreben. Wichtig ist folglich, dass Kurzeitschwankungen der relativen Feuchte so klein als möglich gehalten werden, um ein langsame Anpassung der Materialfeuchte zu gestatten. Durch den Einsatz von mobilen Luftbefeuchtungs-oder Luftentfeuchtungsgeräten je nach Bedarf, können die unerwünschten Änderungsgeschwindigkeiten minimiert werden. (s.dazu „Befeuchter“ und „Entfeuchter“).

Verfasser: Horst Helmer